Liebe oder Lüge? Die Loverboy-Methode

Liebe oder Lüge? Die Loverboy-Methode

Fachveranstaltung zur Umsetzung der Istanbul-Konvention 

 

Dienstag, 03. März 2026, 9:30 bis 16:00 Uhr
Jugendherberge Bremen, Kalkstr. 6, 28195 Bremen

In dieser Fachveranstaltung befassen wir uns mit einer spezifischen Form der sexuellen Ausbeutung: der Loverboy-Methode. Am Vormittag gibt es hierzu Fachvorträge, am Nachmittag vertiefen die Teilnehmenden in Workshops einzelne Themen.

Wahre Liebe vortäuschen und so Mädchen und junge Frauen emotional abhängig machen - das ist die Methode sogenannter Loverboys. Der angeblichen Liebesbeziehung folgt unter Drohungen oder Gewalt erzwungene Prostitution. Die manipulative Taktik nimmt auch in Bremen zu: Wegen der emotionalen Nähe zum Täter, dem hohen Vertrauensverlust in nahestehende Personen und Schamgefühlen auf Seite der Betroffenen wenden sich viele erst spät an Polizei oder Beratungsstellen.

Was braucht es, um Betroffene zu erreichen? Wie können präventiv junge Menschen und ihre Angehörigen informiert und sensibilisiert werden? Basierend auf den Outcomes der Veranstaltung sollen im Laufe des Jahres 2026 erste Strategien für die Beratung betroffener Mädchen und Frauen in Bremen erarbeitet werden.

Was ist die Loverboy-Methode?

Definition der Loverboy-Methode nach dem KOK (Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Menschenhandel e.V.):

Die Loverboy-Methode ist eine Manipulationstaktik, um Menschen in eine Ausbeutungssituation zu bringen. Die Täter:innen, die sogenannten „Loverboys“, sind in den meisten Fällen junge volljährige Männer zwischen 18 und 30 Jahren, häufig Anfang 20. Sie sprechen junge Menschen – meist Mädchen und Frauen – an und bauen eine scheinbar romantische oder freundschaftliche Beziehung zu ihnen auf. Die Anwerbung erfolgt meist über soziale Netzwerke, in Chats oder bei Onlinespielen.
Die Täter:innen erschleichen sich gezielt das Vertrauen und Zuneigung der Betroffenen, um sie emotional abhängig zu machen.

Oft werden sie dazu verleitet, intime Fotos zu teilen, finanzielle Hilfe zu akzeptieren oder andere Verpflichtungen einzugehen, welche die Kontrolle der Täter:innen über die Betroffenen verstärken. In vielen Fällen folgt darauf eine Form von Zwang, etwa die Drohung, kompromittierendes Material zu veröffentlichen, oder körperliche Gewalt. So werden Betroffene zur Prostitution oder anderen Formen von sexueller Ausbeutung gedrängt, zum Beispiel zur Erstellung von pornografischem Material.

 

Programm

09:30 Uhr Ankommen mit Kaffee

10:00 Uhr Eröffnung und Begrüßung

10:30 Uhr Fachvorträge

10:30 Uhr: Die Loverboy-Methode: Merkmale – Strategien – Mechanismen

Referentinnen: Beraterinnen im Präventionsprojekt FairLove, Hamburg

Der Vortrag bietet eine Einführung in das Themenfeld Menschenhandel zum Zweck sexueller
Ausbeutung in Deutschland mit besonderem Fokus auf die sogenannte „Loverboy-Methode“.
Ziel ist es, Fachkräften ein gemeinsames Begriffsverständnis und eine fachliche Grundlage
zu vermitteln.


12:00 Uhr: Prävention und Aufklärung in der Praxis – Erfahrungen aus dem Projekt „Gemeinsam gegen Loverboys“ in Bayern

Referentin: Diana Sachon, Projektkoordination „Gemeinsam gegen Loverboys“,
Fachberatungsstelle jadwiga, München

12:30 Uhr Pause mit Mittagessen

13:30 Uhr Themenworkshops: Fachinput und Austausch
- die Loverboy-Methode aus verschiedenen Perspektiven betrachtet -
inkl. Kaffeepause (individuell in den Workshops)

Workshop
-AUSGEBUCHT- Herausforderungen im Umgang mit Betroffenen, Beratungsstrategien und -risiken

Referentinnen: Beraterinnen im Präventionsprojekt FairLove, Hamburg

Dynamiken erkennen – professionell handeln: Sexuelle Ausbeutung im Kontext destruktiver (Liebes-) Beziehungen.

Aufbauend auf dem vorangegangenen Vortrag vertieft der Workshop die Dynamiken de-struktiver und ausbeuterischer (Liebes-)Beziehungen und richtet den Fokus auf die praktische Arbeit mit (potenziell) betroffenen Mädchen und jungen Frauen.
Im Mittelpunkt stehen die Fragen: Wie entwickeln sich manipulative und gewaltvolle Abhängigkeitsverhältnisse? Warum ist ein Ausstieg für Betroffene oft so schwierig? Und welche Anzeichen können Fachkräfte im Alltag wahrnehmen, ohne vorschnell zu bewerten?
Gemeinsam werden typische Beziehungsdynamiken, Risikofaktoren und Warnsignale erarbeitet. Anhand praxisnaher Fallbeispiele reflektieren die Teilnehmenden Handlungsmöglichkeiten und Interventionsschritte innerhalb ihrer jeweiligen beruflichen Rolle.
Ein zentraler Bestandteil des Workshops ist die Auseinandersetzung mit der eigenen professionellen Haltung. Der Workshop stärkt eine akzeptierende, parteiliche und traumasensible Perspektive als Grundlage wirksamer Unterstützung und nachhaltiger Beziehungsarbeit.
Der Workshop bietet Raum für Austausch, Reflexion und die Übertragung der Inhalte auf den eigenen Arbeitskontext.

Workshop
WTF – Digitale Selbstverteidigung für Mädchen* und Frauen*

Referentin: Ronja Korfe, Projekt „WTF – Digitale Selbstverteidigung“, ServiceBureau Jugendinformation, Bremen

Mädchen* und junge Frauen* erleben im Netz überdurchschnittlich häufig digitale Gewalt – von Cybermobbing und Hate Speech bis hin zu Cybergrooming oder der unerlaubten Verbreitung intimer Inhalte. Das Projekt „WTF – Digitale Selbstverteidigung“ stärkt junge Nutzer*innen in ihrer Medienkompetenz, sensibilisiert sie für digitale Gewalt und zeigt ihnen, wie sie sich schützen können. Mit praxisnahen Übungen und Workshops lernen sie, Gefahren früh zu erkennen, Grenzen zu setzen, sich selbst und gegenseitig zu unterstützen und Handlungsmöglichkeiten zu nutzen.

Ronja Korfe, Projektleiterin von WTF im ServiceBureau Jugendinformation, berichtet von Idee und Umsetzung der Maßnahme im Bremer Landesaktionsplan zur Umsetzung der Istanbul-Konvention und gibt Praxis-Ansätze für die Jugendarbeit.

Workshop
Prävention (und Intervention) in der pädagogischen Praxis – Methoden, Ansätze und Umsetzung

Referentin: Projektleitung „Gemeinsam gegen Loverboys“, Fachberatungsstelle jadwiga, München

Der Workshop vermittelt praxisnahe Ansätze zur Prävention und Intervention im Kontext der Loverboy-Methode. Anhand konkreter Methoden, z. B. zur Auseinandersetzung mit Beziehungen, Rollenbildern und dem Setzen von Grenzen, werden Möglichkeiten der Aufklärung und des sensiblen Umgangs mit (potenziell) Betroffenen vorgestellt. Der Fokus liegt auf Handlungssicherheit, Austausch sowie der Reflexion pädagogischer Möglichkeiten.

Workshop
-AUSGEBUCHT- Die Masche mit der Liebe – eine Form des Menschenhandels

Referentinnen: Beraterinnen der Beratungsstelle für Betroffene von Menschenhandel und Zwangsprostitution – BBMeZ, Bremen

Der Workshop informiert über die Grundlagen der faktischen und rechtlichen Situation im Bereich des Menschenhandels. Er vermittelt ein Bewusstsein für eine nicht-rassistische, nicht-diskriminierende und/oder -stigmatisierende Vorgehensweise im Umgang mit dem Thema Menschenhandel und den Betroffenen. Ein weiteres Ziel ist die Verbesserung der Kooperation und Vernetzung zwischen den verschiedenen Akteur:innen im Land Bremen, um damit eine verbesserte Unterstützung der Betroffenen zu erreichen.


15:30 Uhr: Inhaltliche Zusammenführung und Abschluss

 

Anmeldung

Fachveranstaltung „Liebe oder Lüge? Die Loverboy-Methode“

03. März 2026
9:30 - 16:00 Uhr

Jugendherberge Bremen
Kalkstr. 6
28195 Bremen

Tickets

Registrierungsinformationen

Die Fachveranstaltung ist barrierefrei zugänglich.

Wir bemühen uns um eine möglichst barrierefreie Ausrichtung der Veranstaltung und freuen uns diesbezüglich über konkrete Hinweise und Bedarfe von Teilnehmenden.

 

Bei Fragen oder Absagen wenden Sie sich bitte an stabsbereich-frauen@gesundheit.bremen.de.