Zwischen Klicks und Konsens

Zwischen Klicks und Konsens

digitale Mündigkeit durch sexuelle Bildung

Fachtag
Donnerstag, 30. Oktober 2025
Universum® Bremen

Ein Fachtag zur Prävention sexualisierter Gewalt im Netz

Schützen oder Stärken – beide Positionen sind als Haltungen in der präventiven Arbeit gegen sexualisierte Gewalt in digitalen Medien berechtigt und relevant: Die eine fordert Maßnahmen zum abschirmenden Schutz. Die andere fordert, dass wir jungen Menschen Kompetenzen im sicheren Surfen und reflektierter Wahl von sexualitätsbezogenen Inhalten im Netz mitgeben.

Wie können digitale Mündigkeit und sexuelle Bildung Gewalt im digitalen Raum präventiv verhindern? Welche Erkenntnisse sind für eine hilfreiche Haltung von Erwachsenen zentral? Wo gibt es gute Erfahrungen mit wegweisenden Konzepten und Ansätzen? Mit diesen Fragen wollen wir uns auf dem Fachtag "zwischen Klicks und Konsens – digitale Mündigkeit durch sexuelle Bildung" befassen.

Dr’in Christina Witz spricht in der Keynote zur Gestaltung digitaler Intimität und Prävention sexualisierter Gewalt am Beispiel Sexting.

In drei unterschiedlichen Input-Formaten vertiefen die Teilnehmenden anschließend in Vorträgen ihr Wissen, erarbeiten in Workshops praktische Handlungsansätze und erfahren in Spotlights von Projekten konkreter guter Praxis.

Am Tagungsort bietet die Sonderausstellung „LIEBE“ des Universum® Bremen Impulse sowie Überraschendes und Erhellendes zum Thema Sexualität und Liebe.

Der Fachtag im Universum® Bremen richtet sich an Fachöffentlichkeit und an Institutionen im Schutzsystem gegen geschlechtsspezifische Gewalt, an Polizist:innen in Prävention und Ermittlung bei Fällen digitaler und sexualisierter Gewalt, an Lehrende und pädagogische Fachkräfte in Schulen und Jugendbildungseinrichtungen.

Programm

09:00 Uhr Begrüßung & Keynote

KeynoteDr’in phil. Christina Witz: Gestaltung digitaler Intimität und Prävention sexualisierter Gewalt am Beispiel Sexting

Referentin:
Dr’in phil. Christina Witz,
Diplom-Psychologin

Christina Witz ist ausgebildete Sexualpädagogin (gsp), zertifizierte Weiterbildungsdozentin (isp), Fachkraft für Schutzkonzeptentwicklung (Universitätsklinikum Ulm) sowie systemisch orientierte Kinderschutzfrachkraft (PPSB). Sie arbeitet freiberuflich für verschiedene Träger mit den Schwerpunkten Sexuelle Bildung, geschlechtersensible Pädagogik sowie Prävention Sexueller Gewalt und begleitet Institutionen bei der Entwicklung von sexualpädagogischen sowie Schutzkonzepten. Zudem ist sie als Referentin im Fortbildungsnetz sexuelle Gewalt (sG) der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Intervention (DGfPI) tätig und hat zum Thema sexuelle Gewalt mittels digitaler Medien an der Europa-Universität Flensburg promoviert.

10:15 Uhr Kaffeepause

10:45 Uhr Input Runde I

Interaktiver VortragRechtliche Einordnung sexueller Grenzverletzungen im Netz – Straftatbestände und Tatkontexte

Referentinnen:
Jana Charlet und Dr. Anika Jaeger,
Staatsanwaltschaft Bremen

Der Vortrag gibt einen Überblick über die strafrechtliche Einordnung von Kinder- und Jugendpornografie sowie Cybergrooming. Anhand praxisnaher Beispiele wird erläutert, wie sich strafbares Verhalten von erlaubten Handlungen abgrenzt und welche Konstellationen für Unsicherheit sorgen können. Ziel ist es, Fachkräften aus Schule, Polizei und Sozialarbeit eine rechtssichere Orientierung im Umgang mit diesem sensiblen Thema zu geben.

WorkshopVon Likes bis Liebe – Digitale Welten und sexuelle Mündigkeit

Referent:innen:
Oliver Bouwer und Yvonne Schiemann

Jugendliche sind online fast rund um die Uhr unterwegs – 90 % täglich, im Schnitt über drei Stunden. WhatsApp, Instagram, TikTok und YouTube sind feste Bestandteile ihres Alltags. Dabei begegnen sie nicht nur Trends, Memes und Musik, sondern auch Risiken: Ungewollter Kontakt zu Pornografie, Cybergrooming oder problematische Social-Media-Dynamiken.
Doch wie hängen Pubertät, Selbstfindung und digitale Räume zusammen? Warum reicht ein Handyverbot nicht aus? Und wie kann Schule junge Menschen dabei unterstützen, online sexuelle Mündigkeit und kritisches Bewusstsein zu entwickeln?
Im Workshop zeigen wir anhand aktueller Daten der JIM-Studie 2024, mit welchen Plattformen Jugendliche ihren Alltag gestalten, welche Chancen und Risiken das birgt und wie Lehrkräfte das Thema konstruktiv und fachlich fundiert in der Schule aufgreifen können.
Für alle, die nicht nur über „Gefahren“ reden, sondern verstehen wollen, warum digitale Sexualität längst Teil des Aufwachsens ist – und welche Rolle Schule dabei spielen kann.

WorkshopIntervention bei Veröffentlichung intimen Bildmaterials

Referentin:
Dr’in Christina Witz,
Diplom-Psychologin

Sexting bezeichnet die einvernehmliche intime Kommunikation (meist Bilder oder Videos) und ist unter Jugendlichen rechtlich zulässig. Doch was passiert, wenn Material ohne das Wissen der Abgebildeten erstellt und veröffentlicht wird?

In diesem Workshop werden wir folgenden Fragen nachgehen:

  • Was hilft jungen Menschen, sich mitzuteilen, wenn intimes Bildmaterial veröffentlicht wurde?
  • Welche Besonderheiten gibt es bei sexualisierter Gewalt mittels intimem Bildmaterial?
  • Und wie können Fachkräfte bei der Intervention sekundäres Viktimisierung (also weitere Beschädigung) vermeiden?
SpotlightJUUUPORT – Gemeinsam für mehr Respekt im Netz! Wissen und Rat auf Augenhöhe

Referent:
Lino Dotsikas,
Wirtschaftsjurist (LL.B.) und JUUUPORT Scout

JUUUPORT ist eine bundesweite Online-Beratungsplattform für junge Menschen, die Probleme im Netz haben. Ehrenamtlich aktive Jugendliche und junge Erwachsene aus ganz Deutschland, die JUUUPORT-Scouts, sind die Hauptakteur:innen: Sie wissen am besten, welche Apps oder Games Gleichaltrige nutzen, was ihnen besonders Spaß macht, aber auch mit welchen Problemen sie online konfrontiert werden.

Die ausgebildeten Scouts helfen Gleichaltrigen vertraulich bei Online-Problemen wie Cybermobbing, Mediensucht, sexueller Belästigung, Abzocke, Datenklau u.v.m. Die Beratung ist datenschutzkonform und kostenlos.

Im Workshop wird die Beratungsplattform vorgestellt sowie ein inhaltlicher Einblick in die Themen Sexting, Sextortion und Cybergrooming gegeben. Präventive und fallbezogene Lösungen werden anhand fiktiver Fälle aus der JUUUPORT-Beratung aufgearbeitet.

12:15 Uhr Pause mit Mittagessen und Besuch der Sonderausstellung LIEBE

13:15 Uhr Input Runde II

WorkshopPornokompetenz ist Medienkompetenz – in Schulklassen über das Tabuthema sprechen

Referentinnen:
Carmen Bach und Sophie-Michelle Pohlmeyer,
Landesinstitut für Schule, Referat 14, Gesundheit und Suchtprävention

Die Suchtprävention am LIS Bremen nähert sich dem Thema aus einem anderen Blickwinkel. Wir starteten unsere Idee damit, Jugendliche davor zu schützen, im digitalen Raum „gefangen“ zu sein – und stellten fest, dass aufgeklärte Menschen mündige Teilhabende sind, die ihr Umfeld selbst bestimmen können, wie das im analogen Bereich eben auch ist. Es ist uns ein Anliegen, mit Aufklärung und Enttabuisierung unseren Teil dazu beizutragen.

Pornografie macht einen großen Teil digitaler Sexualität aus – etwas, dem Jugendliche also früher oder später begegnen, und dem sie jedoch ziemlich allein ausgeliefert sind. Wenn durch die Inhalte Unsicherheit entsteht oder der Konsum vielleicht sogar problematisch wird, dann werden Betroffene sehr häufig stigmatisiert und allein gelassen.

Wir wollen den Raum öffnen und pädagogischen Fachkräften die Methoden an die Hand geben, genau dieses Dunkelfeld zu beleuchten. Ins Gespräch kommen und Jugendliche zu mündigen Teilhabenden zu machen unterstützt diese dabei, selbstständig ihren Weg durch digitale Sexualität zu finden und ihre Grenzen bestimmen zu können. Diese Methoden werden wir Workshop gemeinsam ausprobieren und den Umgang mit Widerständen und eigenen Vorbehalten bearbeiten, sodass Sie gut vorbereitet in einen offenen Austausch gehen können!

Interaktiver VortragSexualisierte Gewalt im Netz – Kinder sicher begleiten

Referentin:
KHK’in Katja Behrens,
Präventionszentrum der Polizei Bremen

Wie digital ist der Alltag unserer Kinder – und welche Chancen und Risiken bringt er mit sich? In der Veranstaltung werfen wir einen Blick auf ihre Online-Welten, thematisieren Gefahren wie Cyber-Grooming, Pornografie und Sexting und zeigen, was Eltern und Fachkräfte tun können, um Kinder zu schützen. Neben rechtlichen Grundlagen erhalten die Teilnehmenden wertvolle Tipps zur Prävention sowie Hinweise auf konkrete Hilfs- und Beratungsangebote.

SpotlightSOSdigital – Stärken oder Schützen in digitalen Medien

Referentinnen:
Franziska Schmidt,
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
und Jasmin Stehr,
vormals Hochschule Hannover

Wie können Kinder und Jugendliche in ihren hybriden Lebenswelten zwischen on- und offline Erfahrungen gestärkt und zugleich geschützt werden? Das Online-Portal SOSdigital bietet pädagogischen Fachkräften hierzu praxisnahe Fortbildungsmodule. Ergänzt durch Podcasts und Praxismaterialien unterstützt SOSdigital die Reflexion und Haltungsentwicklung im Umgang mit Sexualität, sexualisierten Grenzverletzungen und Gewalt im digitalen Kontext.

Im Spotlight wird die Fortbildung vorgestellt und das Thema „Online-Kommunikation unter Peers” vertiefend behandelt. Dabei werden Fachkräfte zur Auseinandersetzung mit Chancen und Risiken sowie ihrer eigenen Haltung eingeladen. SOSdigital wurde im Rahmen der Förderlinie „Forschung zu sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in pädagogischen Kontexten” des Bundesministeriums für Bildung und Forschung entwickelt.

SpotlightMein Körper, meine Grenzen – Konsens mit KNOWBODY per App unterrichten

Referentin:
Vanessa Meyer,
KNOWBODY

Im Workshop beschäftigen wir uns mit unserem eigenen grenzsetzenden Gefühl, das auch Lerninhalt der Lerneinheit Mein Körper, meine Grenzen in der KNOWBODY App ist. Die App steht Bremer Lehrkräften für den Unterrichtseinsatz zur Verfügung und soll im Workshop gemeinsam erprobt werden. Dabei setzen wir uns sowohl mit den Grenzen der Jugendlichen und wie sie diese kommunizieren und gegenseitig respektieren können auseinander, als auch mit den Grenzen, die für die Lehrkraft selbst diesbezüglich wichtig sind.

14:45 Uhr Abschlussrunde und Ausklang

Tagungsort

Universum® Bremen, Wiener Str. 1a, 28359 Bremen

Die Fachtagung findet in Kooperation mit dem Universum® Bremen statt. Thematisch vertieft die Sonderausstellung „LIEBE.“ die Auseinandersetzung mit den Facetten dieses Gefühls und vermittelt Überraschendes wie auch Erhellendes über Sexualität.

In der Mittagspause lädt die Sonderausstellung die Teilnehmenden des Fachtags ein, sieben thematische Bereiche mit interaktiven Exponaten, digitalen Stationen, Objekten, Präparaten und Fotoserien zu entdecken. Diese regen dazu an, sich eigene Gedanken und Vorstellungen von LIEBE zu machen.

Sonderausstellung - Universum® Bremen

Anmeldung

Fachtag „Zwischen Klicks und Konsens digitale Mündigkeit durch sexuelle Bildung“

30. Oktober 2025
9:00 - 15:30 Uhr

Universum® Bremen
Wiener Str. 1a
28359 Bremen

Der Fachtag ist barrierefrei zugänglich.
Wir bemühen uns um eine möglichst barrierefreie Ausrichtung der Tagung und freuen uns diesbezüglich über konkrete Hinweise und Bedarfe von Teilnehmenden.

Wir sind ausgebucht! Vielen Dank für das große Interesse an dem Fachtag.

Wenn Sie Ihre Teilnahme absagen müssen oder einen Platz auf der Warteliste wünschen, informieren Sie uns bitte an stabsbereich-frauen@gesundheit.bremen.de!

Über uns

Der Fachtag ist eine Kooperation der Landeskoordinierungsstelle Istanbul-Konvention bei der Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz mit der Senatorin für Kinder und Bildung, dem Senator für Inneres und Sport und dem Universum® Bremen.

Die Landeskoordinierungsstelle Istanbul-Konvention gehört zum Stabsbereich Frauen bei der Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz. Die Landeskoordinierungsstelle verantwortet den Bremer Landesaktionsplan „Istanbul-Konvention umsetzen – Frauen und Kinder vor Gewalt schützen“. Maßnahmen vieler Ressorts der Bremer Landesregierung vereint der Landesaktionsplan in einer Gesamtstrategie zur Prävention, Bekämpfung und Strafverfolgung von Gewalt gegen Frauen.

Der Senator für Inneres und Sport verantwortet in Bremen unter anderem den Bereich innere Sicherheit. Neben der Strafverfolgung ist die Verhütung von Straftaten – die Prävention – ein wichtiges Aufgabenfeld. Die beim Senator für Inneres und Sport angesiedelte Kooperationsstelle Kriminalprävention (KSKP) verfolgt daher das Ziel, ein transparentes Netzwerk aus Sicherheitspartnern des öffentlichen und privaten Sektors aufzubauen, zu stärken und kriminalpräventive Arbeit, Sicherheitspartnerschaften und Präventionsräte auf lokaler Ebene zu unterstützen und zu fördern. Ein weiterer und zentraler Baustein der polizeilichen Prävention ist in Bremen das Präventionszentrum der Polizei Bremen, welches eine zentrale Anlaufstelle für Bürger:innen für Fragen rund um Kriminal- und Verkehrsprävention sowie Opferschutz darstellt.

Das Referat 10 „Digitalisierung und Medien“ bei der Senatorin für Kinder und Bildung verantwortet die Umsetzung der Bremer Strategie für digitale Bildung. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche auf eine zunehmend digitale Lebens- und Arbeitswelt vorzubereiten und Schulen dabei zu unterstützen.
Im Mittelpunkt stehen der Ausbau der digitalen Infrastruktur, die Bereitstellung zentraler Lern- und Kommunikationsplattformen sowie die Förderung von Medienkompetenz. Lehrkräfte werden durch Fortbildungen und praxisnahe Konzepte begleitet, damit digitale Didaktik nachhaltig im Unterricht verankert werden kann.
Durch die enge Zusammenarbeit mit Schulen, anderen Ressorts und externen Partnern entsteht eine Gesamtstrategie, die technologische, pädagogische und organisatorische Aspekte miteinander verbindet und so chancengerechte digitale Bildung im Land Bremen ermöglicht.