Interviewpartnerinnen* gesucht:
Studie zu den Erfahrungen Gewaltbetroffener im Bremer Hilfesystem

Von Gewalt betroffene Frauen* und Mädchen erleben ein Unrecht. Gewalt ist strafbar. Gewalt gegen Frauen* ist eine Menschenrechtsverletzung. Gewalt, auch häusliche Gewalt, ist nie Privatsache. Es ist die Aufgabe des Staates, gute Hilfen für Betroffene zur Verfügung zu stellen.

Doch wie erleben betroffene Frauen das Hilfesystem in Bremen? Was sind ihre Erfahrungen und Bedarfe? Eine qualitative Studie soll in Interviews diesen Fragen nachgehen. Die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderte „Studie zur Ermittlung der Erfahrungen von gewaltbetroffenen Frauen im Bremer Hilfesystem“ führen im Bereich Gewaltforschung erfahrene Wissenschaftler*innen am Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP) der Universität Bremen aus. Die Ergebnisse der Studie werden im November 2022 veröffentlicht.

Die Studie soll dazu beitragen das Bremer Hilfesystem zu prüfen und zu verbessern. Mit Hilfesystem meinen wir Gesprächsangebote und Beratungen und alle Stellen, an denen Betroffene Schutz gesucht haben. Egal, wo sie um Hilfe gebeten haben oder im Hinblick auf ihre Gewalterfahrungen versorgt wurden – indem sie in der Studie ihre persönlichen Erfahrungen teilen, tragen Betroffene dazu bei, die Situation für andere Frauen* in Zukunft zu verbessern.

Teilnehmen können von Gewalt betroffene Frauen*, die in den letzten fünf Jahren in Bremen oder Bremerhaven Hilfe gesucht haben und bereit sind, ihre Erfahrungen in einem Gespräch zu schildern. Dafür ist ein Zeitrahmen von 45 bis 60 Minuten vorgesehen. Alle Angaben werden selbstverständlich anonymisiert verwendet und persönliche Daten nicht gespeichert. Die Erfahrungen der Teilnehmenden können aus allen Bereichen psychischer und körperlicher Gewalt stammen.

Anmeldung:

    Die Mitarbeiterinnen der Studie an der Uni Bremen sind erreichbar unter hilfesystem-studie@uni-bremen.de, oder telefonisch dienstags von 16 bis 19 Uhr und donnerstags von 9 bis 12 Uhr unter der Telefonnummer 0421-218 688 79. Die Mitarbeiterinnen wählen gemeinsam mit den Betroffenen den passenden Rahmen – per Videocall, Telefon oder persönlich. Das Gespräch selbst ist nach einem Leitfaden strukturiert und richtet sich nach den Erlebnissen der betroffenen Frau* und nach dem, was sie berichten und anmerken möchte.

    Datenschutz für Teilnehmer*innen
    Wir möchten aus Ihren persönlichen Erfahrungen ableiten, was wir am Bremer Hilfesystem verbessern sollten. Ihre Geschichte und Ihre persönlichen Daten werden anonymisiert. Wir werden Sie nicht namentlich nennen oder Ihre Erfahrungen personenbezogen veröffentlichen.

    Mehr über die Studie: Wir wollen mit Frauen* sprechen, die von Gewalt betroffen sind – nicht über sie!

    Unter diesem Motto bindet das Land Bremen derzeit Betroffene strukturiert ein in den Prozess zur Erweiterung und Verbesserung des Hilfesystems.

    In die Umsetzung der Istanbul-Konvention in Bremen sollen ausdrücklich und aktiv das Wissen und die Bedarfe von Betroffenen mit einfließen – so sieht es der Bremer Landesaktionsplan „Istanbul-Konvention umsetzen – Frauen und Kinder vor Gewalt schützen“ vor. Die Berücksichtigung von Betroffenenexpertise sieht Bremen als Qualitätsmerkmal. Fundierte Erkenntnisse über Gewalterfahrungen sind ein Schlüssel für verbesserte Intervention, Versorgung und Prävention von Gewalt.

    Darum hat die Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz Claudia Bernhard im Herbst 2021 den Betroffenenbeirat Istanbul-Konvention im Land Bremen einberufen. Eine Studie bindet ergänzend die Perspektive betroffener Frauen* ein, indem sie deren besondere Bedarfe im Bremer Hilfesystem erfragt.

    Die Studie ermittelt anhand eines Leitfadens in Einzelinterviews die Bedarfe von Gewaltbetroffenen im Bremer Hilfesystem. In allen Phasen des Forschungsprozesses wird insbesondere auf das physische und psychische Wohlbefinden der Befragten geachtet. Die Interviewerinnen werden zum Thema Gewalterfahrung geschult, denn die Erhebungen verlangen ein hohes Maß an Sensibilität und Einfühlungsvermögen. Die Interviewer*innen haben bereits mit vielen von Gewalt betroffenen Menschen gesprochen. Sie wissen, dass es für Teilnehmende nicht einfach ist, über diese Erfahrungen zu berichten. Sie geben ihnen Zeit und Wahlmöglichkeiten das Interview in ihrem eigenen Tempo und nach ihren Wünschen und Möglichkeiten zu führen.

    Die Ergebnisse der Studie sind Grundlage für die Arbeit des Stabsbereich Frauen bei der Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz Claudia Bernhard. Wir möchten daraus lernen, damit andere Frauen*, denen Ähnliches geschieht, gut und besser aufgehoben sind. Unser Ziel sind Schutzräume und Angebote für Betroffene, die gut erreichbar, auf Augenhöhe, in ausreichendem Umfang und hilfreich sind. Dazu werden wir die Gespräche auswerten und herausfinden, was Betroffenen gefehlt hat und was wir verbessern können.

    Gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

    Geleitet vom Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP) der Universität Bremen

    Die Istanbul-Konvention

    Jede dritte Frau in Europa hat seit dem 15. Lebensjahr mindestens einmal Gewalt erlebt, knapp ein Viertel ist mindestens einmal im Leben von Gewalt durch den Partner betroffen. Der Europarat hat deshalb 2011 einen völkerrechtlichen Vertrag zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt beschlossen, der von 46 Mitgliedsstaaten in Istanbul – daher auch die umgangssprachliche Bezeichnung als Istanbul-Konvention – unterzeichnet wurde. Insgesamt 34 Länder haben diesen Vertrag inzwischen ratifiziert und sich damit zur Umsetzung verpflichtet.

    Die Istanbul-Konvention ist das erste rechtsverbindliche regionale Instrument, das sich mit verschiedenen Formen von Gewalt gegen Frauen befasst. Ihr Ziel ist es „Frauen vor allen Formen von Gewalt zu schützen und Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt zu verhüten, zu verfolgen und zu beseitigen." (Artikel 1) Sie benennt Gewalt gegen Frauen als eine Menschenrechtsverletzung und beinhaltet wichtige Maßnahmen, unter anderem in den Bereichen Gewaltprävention, Opferschutz und Strafverfolgung bei geschlechtsspezifischer Gewalt.

    Eine Collage diverser Menschen vor einer Flagge mit der Aufschrift Bremen sagt Nein zu Gewalt gegen Frauen.
    Eine Collage diverser Menschen vor einer Flagge mit der Aufschrift Bremen sagt Nein zu Gewalt gegen Frauen.

    Bremen setzt um

    Die Istanbul Konvention ist am 1. Februar 2018 in Deutschland in Kraft getreten und verpflichtet Bund und Bundesländer Gewalt im Sinne der Konvention vorzubeugen, diese effektiv zu bekämpfen, die Strafverfolgung zu gewährleisten und von Gewalt Betroffene umfassend zu schützen. Auf der Grundlage des Bürgerschafts-beschlusses „Istanbul-Konvention konsequent umsetzen“ arbeiten im Land Akteur:innen aus Verwaltung, Behörden und aus dem Hilfesystem an einer konsequenten Umsetzung indem sie im Jahr 2021 einen Landesaktionsplans (LAP) entwickeln.

    Der Arbeits-und Zeitplan zur Erstellung des Bremer LAP zur Umsetzung der Istanbul Konvention (IK) sieht eine schrittweise bzw. prozesshafte Erarbeitung der Inhalte vor.

    Im Mai tagt ein Runder Tisch der über die Zwischenergebnisse der Arbeitsgruppen berät und bewertet.

    Im November 2021 ist der Prozess voraussichtlich abgeschlossen und der Landesaktionsplan wird der Bremer Öffentlichkeit vorgestellt.

    Wie dieser Prozess verläuft, welche Zwischenergebnisse die Arbeitsgruppe erarbeitet haben, zu welchen Ergebnissen der Runde Tisch gekommen ist, soll in folgender Rubrik beschrieben werden.

    Bringen Sie Ihre Erfahrungen und Vorschläge ein!

     

    Ihre Hinweise zur Verbesserung des Hilfesystems für von Gewalt betroffene Frauen und deren Kinder sind für uns wertvoll. Sie können sich anonym oder mit einer E-Mail Adresse für unsere Antwort melden – wir sind in jedem Fall dankbar für Ihr Engagement und Ihre Unterstützung.