Evaluationsstudie zu Bremer Gewaltschutz veröffentlicht

Im Gleichstellungsausschuss wurde die Evaluationsstudie zum Bremer Gewalthilfesystem vorgestellt. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse hier zum Download:
Ergebnisse der Studie Bremer Gewalthilfesystem
Die Studie nimmt einen Soll-Ist-Abgleich des Hilfe- und Schutzsystems im Land Bremen vor. Dazu wurden vornehmlich Frauenhäuser und Beratungsstellen als Einrichtungen des Gewalthilfesystems berücksichtigt.
Fortschritte im Gewaltschutz durch den Landesaktionsplan
Bremen hat sich mit dem Landesaktionsplan auf den Weg gemacht, die Istanbul-Konvention konsequent umzusetzen und gewaltbetroffene Frauen* mit ihren Kindern vor Gewalt zu schützen. Engmaschige Berichterstattung und Evaluierung zeigen auf, dass ein engagierter Umsetzungswillen vorhanden ist und der Landesaktionsplan eine ernsthafte Planungsgrundlage bildet.
Fortschritte zeigen sich auch in den Aussagen der Praxis in Bezug auf:
- die Institutionalisierung der Bremer Gewaltschutzambulanz als bedeutsames Angebot im Kontext des Gewaltschutzes
- die institutionenübergreifende Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteur:innen
- die verstärkte Sensibilisierung für Belange des Gewaltschutzes im multiprofessionellen Feld
Lücken: Vulnerable Gruppen und Kinder, Schutzplätze, Wohnraum und nachsorge-orientierte Angebote
Dennoch zeigt die Evaluation, dass nicht jede von Gewalt betroffene Frau, die Schutz und Unterstützung benötigt, dies zeitnah erhält. Wesentliche Erkenntnisse sind u.a.:
- zu geringe Platz- und Personalkapazitäten in Frauenhäusern, sodass Betroffene abgewiesen werden
- 50 bis 60 Prozent Kinder sind im Frauenhaus untergebracht (zumeist unter 10 Jahren). Es gibt einen ungedeckten, hohen Bedarf an traumasensibler Unterstützung von Kindern und Müttern
- Aufenthaltsdauer zu etwa einem Drittel über 6 Monate bis zu einem Jahr – Probleme, nach dem Aufenthalt Wohnungen zu finden (v.a. auch Frauen* in prekären Lagen / mit Migrationsgeschichte)
- zu geringe Kapazitäten, regionale Verteilung und Spezialisierung im Bereich Beratung. Eine Verweisberatung ist schwierig, wenn geeignete Angebote vor Ort oft fehlen.
- besonders belastete Zielgruppen werden nicht erreicht oder nicht adäquat unterstützt (Frauen* mit Behinderungen, psychischen und Suchterkrankungen, Frauen* mit Migrationsgeschichte und mangelnden Sprachkenntnissen)
- zu wenig niedrigschwellige und engmaschige Begleitung gefährdeter Frauen* nach Trennung und Loslösung aus Gewaltsituationen (psychotherapeutisch, trauma-sensibel und alltagspraktisch)
Erkenntnisse sollen den Gewaltschutz in Zukunft verbessern
Die Studie leitet aus diesen Lücken Handlungsempfehlungen ab zum Ausbau des Systems und der Angebotsstruktur insbes. zu regionaler Verteilung und Spezialisierung, die in den Landesaktionsplan II einfließen werden.
Die vollständige Studie des IfeS hier zum Download:
Studie zur Evaluation des Bremer Gewalthilfesystems (2026)
